Sexmission

Vorsicht Mogelpackung: Auf dem Cover von “Sexmission” erwecken spärlich bekleidete Damen in aufreizenden Posen den Eindruck, dass es sich bei diesem Film um ein softpornographisches Machwerk handelt. Doch dem ist nicht so: “Sexmission” ist eine gesellschaftskritische Satire mit einem Schuss Erotik, die nun endlich auch auf DVD erschienen ist.

Nicht, dass hier ein falscher Eindruck entsteht: Der Autor dieser Zeilen hat sich den Film natürlich nicht gekauft, weil er einen weichgezeichneten Softporno sehen wollte. Keineswegs. Ich habe den Film gekauft, weil ich ihn wiedersehen wollte – zum ersten Mal nach 24 Jahren. Schon 1986 hatte ich das Vergnügen, die “Sexmission” der beiden Wissenschaftler Max und Albert mitzuerleben, damals noch auf der Leinwand eines Programmkinos – in diesen Filmtheatern wurde der Streifen 1986 in kleinem Kreis präsentiert, ehe er in der Versenkung verschwand.

Totalitarismus-Satire in totalitären Zeiten

“Sexmission” ist ein Werk, das der polnische Regisseur Juliusz Machulski 1983 in seinem Heimatland gedreht hat. Die Älteren werden sich erinnern: 1983, da gab es noch den Warschauer Pakt; die Gewerkschaft Solidarnosc war zwar schon gegründet, aber zwischenzeitlich verboten; die kommunistische Diktatur hatte unser Nachbarland Polen noch immer ziemlich fest im Griff. In diesen bewegten Zeiten hat Machulski einen Film gedreht, der eine Diktatur ganz anderer Art auf die Schippe nimmt: einen totalitär regierten Frauenstaat.

Vom Traum zum Alptraum

Max und Albert sind Wissenschaftler, die sich für ein Experiment in einen dreijährigen Kälteschlaf versetzen lassen. Doch das Experiment misslingt. Als die beiden im Jahr 2044 wieder aufwachen, ist nichts mehr wie es war: Max und Albert finden sich in einer unterirdischen Welt wieder, in der es nur noch Frauen gibt. Was den beiden zunächst wie ein Traum erscheint, entwickelt sich bald zum Alptraum: Denn die Frauen erweisen sich trotz kesser Bekleidung und freizügiger Umgangsformen als knallharte Feministinnen, in deren Staat die beiden Männer nur Störenfriede sind, die baldmöglichst umoperiert werden sollen. In ihrer Verzweiflung ergreifen die beiden Männer schließlich die Flucht. Zwar wurde ihnen eingeschärft , dass man außerhalb des unterirdischen Staats nicht überleben kann, weil die Erde nach einem verheerenden Krieg öde und verseucht ist. Doch Max und Albert gehen das Risiko ein und erleben schließlich eine unerwartete Überraschung (die hier allerdings nicht verraten werden soll).

Zeitloses Vergnügen

In “Sexmission” nimmt Regisseur Juliusz Machulski viele Dinge auf die Schippe, die unsere gefestigten Gesellschaften prägen. Das Verhältnis zwischen Mann und Frau, das Obrigkeitsdenken, die Prüderie, der Feminismus, die Machtgier – sie alle bekommen in diesem Streifen ihr Fett weg. Der Film ist zwar technisch in die Jahre gekommen (4:3-Format), auch wirkt die Bildsprache etwas antiquiert. Dennoch ist es ein (auch thematisch) zeitloses Vergnügen, “Sexmission” zu sehen – wenn man diese Art von Satire mag. Wir haben uns zuhause beim Wiedersehen köstlich amüsiert.